Schülerin durch und durch. Geübte Debattiererin. Beliebte Schulsprecherin.

Es war ein harter Schlag für die 16-Jährige, als ihre Eltern entschieden, dass sie – wie so viele andere Mädchen – die Schule nicht weiter besuchen darf. Der Schulabschluss war Gulmeenas Traum – ein Traum, der ihr genauso wie ihren Brüdern oder jedem anderen Jungen zustehe, wie sie sagt.

Ihre Heimat ist jedoch Peshewar in Pakistan, wo die tiefverwurzelte Tradition Mädchen den Zugang zur Bildung verbaut. Anstatt in die Schule zu gehen, werden die Mädchen oftmals sehr jung verheiratet und müssen so nicht nur ihre Eigenständigkeit, sondern auch ihre Zukunft aufgeben. Klein beizugeben kam für Gulmeena jedoch nicht in Frage - zu sehr hing sie an der Schule und der Vorstellung ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Deshalb trat sie dem Right To Play Leadership Club der Schule bei: Durch speziell entwickelte Spiele lernte sie, nicht nur Probleme zu lösen, sondern auch zu vermitteln und Herausforderungen von verschiedenen Blickwinkeln aus anzugehen. „Die Spiele haben uns gezeigt, wie wir zusammenarbeiten, über Angelegenheiten diskutieren und Lösungen finden können,“ berichtet Gulmeena. „Ich habe erfahren wie ich anderen bei ihren Problemen helfen kann.“

Zuallererst hatte sie jedoch ihr eigenes Problem zu lösen.

Entschlossen mit der Tradition zu brechen, holte sie sich Unterstützung bei ihren Lehrern und Coaches von Right To Play, die ihre Mutter überzeugen konnten, dass der Besuch der Schule wichtig sei. Sie trafen sich zudem regelmässig mit ihrem Vater und klärten ihn über Gulmeenas aussergewöhnliche Fähigkeiten und den grossen Wert von Bildung auf. Hartnäckig und leidenschaftlich führte Gulmeena die Mission an: „Ich habe ihn um die Erlaubnis angefleht, weiter die Schule besuchen zu dürfen, indem ich ihm erklärt habe, dass eine gebildete, talentierte Tochter einen wichtigen Beitrag zur Familie und Gesellschaft leistet.“

Entgegen seiner tiefen Verbundenheit zu seiner Tradition, liess sich Gulmeenas Vater am Ende von ihrer Hartnäckigkeit und logischen Argumentation überzeugen. Er erlaubte Gulmeena ihre Ziele weiterzuverfolgen – für das junge Mädchen ein Triumph, der ihr Leben nach Jahrzehnten der Ungleichheit verändern würde.

Gulmeenas Mission war damit jedoch noch nicht beendet. Ihren persönlichen Sieg nutzte sie als Befreiungsschlag und setzte sich nimmermüde für das Recht von Mädchen auf Bildung ein. Sie inspirierte Hunderte von ihnen dazu, gegen restriktive Bräuche aufzustehen und bestärkte die jungen Mädchen darin, ihre Träume zu artikulieren, einzufordern und umzusetzen.