Gemeinsam Berge versetzen

Child Uprisers in Mali

Eine Gruppe malischer Kinder steht zusammengedrängt um den Körper einer jungen Freundin, gestorben im Kindsbett. Vor nicht allzu langer Zeit war sie noch ein Baby, jetzt ist sie tot - der frühe Tod ist das traurige Ende einer Kinderehe.

Diese Theaterszene ist fiktiv, doch für viele Kinder in Mali ist sie traurige Realität. Eine Gruppe junger, entschlossener Kinder möchte das ändern und setzt sich lautstark für Kinderrechte und Kinderschutz ein – zum Beispiel durch Theateraufführungen.

Die Idee zu diesem Drama hatten die Mitglieder eines Right To Play Schulklubs, der sich auf Kinderschutz fokussiert hat. Die Teilnehmer werden nicht nur über ihre Rechte aufgeklärt, sondern lernen auch, wie sie sich für diese einsetzen können. Vor den Augen der engagierten Schüler lösen sich zu viele Zukunftsträume von Kindern in Luft auf – durch Kinderarbeit in Bergwerken oder auf dem Feld, die jede Hoffnung auf einen Schulbesuch zunichte macht; durch Kinderehen, die für unzählige Mädchen gleichbedeutend sind mit Unterwürfigkeit, Teenagerschwangerschaften und Gewalt.

Die Theateraufführungen beinflussen die gesamte Gemeinde. Zuschauer werden für Themen wie Kinderarbeit, Kinderehe oder dem Wert einer Schulausbildung sensibilisiert. „Wir nutzen diese Aufführungen um unseren Eltern Probleme aufzuzeigen, die wir zuhause nie ansprechen würden,“ erklärt Ramata, eine der Anführerinnen der Gruppe.

Eine Klassenkameradin von Ramata wurde mit 14 Jahren verheiratet: „Ihr Ehemann ist deutlich älter und ich mache mir grosse Sorgen um sie.“ Makamba, eine andere Mitstreiterin, fügt hinzu: „Die Zukunft ist nicht rosig. Die Regierung müsste unseren Eltern mehr helfen, Kinder zu schützen und mehr Schulen bauen.“ Sie führt aus, dass festverankerte Traditionen und unwürdige Lebensumstände dazu geführt haben, dass die Jugend als Ware und nicht als selbstbestimmte Individuen wahrgenommen wird.

Der Glaube an einen Wandel und die Zuversicht für eine bessere Zukunft ist in Ramata ungebrochen: „Wir Mädchen können uns mittlerweile einer Ehe wiedersetzen. Wir haben gelernt, wie wir uns gegenseitig darin bestärken können, den Heiratsplänen nicht zuzustimmen.“

Das Selbstvertrauen „Nein“ zu etablierten Traditionen zu sagen, ist eine wichtige Fähigkeit, die der Schulklub vermittelt. Mitglieder lernen komplexe soziale Themen gegenüber ihren Gemeinden und insbesondere den Eltern darzustellen. Das Wissen über ihre eigenen Rechte hat ihr Verständnis für Ungerechtigkeit verstärkt – und ihre Überzeugung sich für diese Rechte stark zu machen.

„Ich bin nicht mehr eingeschüchtert, wenn ich vor Gruppen sprechen muss. Es ist leicht als Team zusammenzuarbeiten, sodass wir mit einer starken Stimme sprechen können,“ so Ramata.