Sirenies Geschichte: Mit Fussball die Zukunft für Mädchen ins Rollen bringen

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Auf einem staubigen Fussballplatz in Gisuru, Burundi, bläst Sirenie in ihre Pfeife und schickt eine Gruppe von Mädchen los, die dem Ball hinterherrennen. Sie beobachtet sie aufmerksam und feuert sie an, während sie laufen, lachen und unbeschwert spielen. Für einen Moment lächelt sie – denn für Mädchen wie sie war das nicht immer so.

In Gisuru galt Fussball als eine Sportart nur für Jungs. Mädchen, die Fussball spielten, wurden oft kritisiert oder davon abgehalten. Viele Familien befürchten, dass Sport den Ruf eines Mädchens schädigen oder ihre Heiratschancen verringern könnte.

Erfahren Sie, wie das Spiel Mädchen in Gisuru neue Zukunftsperspektiven eröffnet.

Gegen die Normen

Als Sirenie mit 10 Jahren zum ersten Mal einen Fussballplatz betrat, wurde in ihrem Dorf darüber gesprochen. „Man sagte mir, ein Mädchen das Fussball spielt, bringe Schande über ihre Familie“, erinnert sich Sirenie.

Dieser gesellschaftliche Druck hält Mädchen oft davon ab, Sport zu treiben, und mindert damit ihre Chancen, Freundschaften zu schliessen oder Selbstvertrauen und Führungsqualitäten aufzubauen. Trainerinnen sind besonders selten: Sie machen nur 11,5 % (72 von 626) aller Trainer:innen in Burundi aus.

Trotz der Kritik stand Sirenies Mutter Isidora hinter ihrer Tochter und stärkte ihr den Rücken.

„Als Sirenie anfing, Fussball zu spielen, haben die Leute das nicht verstanden. Aber ich habe gesehen, dass sie diszipliniert und selbstbewusst war."
- Isidora, Sirenies Mutter

"Sie kam vom Training zurück und half trotzdem zu Hause im Haushalt", fügt sie hinzu. Dank der Unterstützung ihrer Mutter spielte Sirenie weiterhin Fussball.

Anfangs übte sie mit den Jungs an ihrer Schule. Schon bald begann sie, die Mädchen in ihrer Gemeinde selbst zu trainieren. Manchmal fehlte es an Sportausrüstung, dann spielten sie mit Bällen aus Bananenblättern. Mit der Zeit wuchs Sirenies Selbstbewusstsein und ihre Entschlossenheit, Sport anderen Kindern zugänglich zu machen.

Sirenies Leidenschaft für Fussball brachte sie schliesslich zum Right To Play "Sports Protect Kukivi" Programm, das von der Olympic Refuge Foundation (ORF) unterstützt wird.

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Aus einer Fussballerin wird eine Coach

Durch Kukivi lernte Sirenie, wie man inklusive Kurse leitet, einen sicheren Raum schafft und jüngere Kinder betreut. Inzwischen ist Sirenie fertig ausgebildet und leitet regelmässig Trainings für Kinder in ihrer Nachbarschaft – vor allem Mädchen. Eltern, die früher am Sport für Mädchen gezweifelt haben, lassen ihre Töchter nun beim Training mitmachen. Immer mehr Mädchen betreten den Platz und entdecken durchs Spielen ihre Fähigkeiten und ihr Selbstvertrauen. Sirenies Mutter ermutigt mit der Geschichte ihrer Tochter gerne andere Familien. "Der Fussball hat meine Tochter nicht daran gehindert, erfolgreich zu sein", sagt sie stolz.

Wenn Mädchen spielen, entdecken sie, wie stark sie wirklich sind.
- Sirenie
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Heute ist Sirenie nicht nur Fussballerin, sondern auch ein Vorbild. Durch das Training von jüngeren Kindern zeigt sie der nächsten Generation Mädchen, dass sie dazugehören und sowohl auf dem Fussballplatz als auch in ihren Gemeinden eine Führungsrolle einnehmen können. Für Sirenie ist die grösste Veränderung, zu sehen, wie andere Mädchen nun an sich glauben.

Sirenie möchte weiterhin als Trainerin tätig sein und mehr Mädchen für den Sport begeistern. Sie hofft, dass es eines Tages ganz normal sein wird, dass Mädchen Fussball spielen.


Das „Sports Protect – Kukivi Projekt, das von der Olympic Refuge Foundation finanziert und vom Nationalen Olympischen Komitee Burundis sowie vom Ministerium für Jugend, Sport und Kultur unterstützt wird, hilft von Vertreibung betroffenen Kindern und Jugendlichen, durch Sport und Spiel Selbstvertrauen, Resilienz und Führungsqualitäten aufzubauen. Im Rahmen des Programms wurden 80 Trainer aus den Gemeinden ausgebildet und 16'000 junge Menschen in den Provinzen Cibitoke und Ruyigi erreicht. Durch die Schaffung sicherer Räume und die Unterstützung für Eltern, Trainern und Gleichaltrigen, psychosoziale Unterstützung zu leisten, hilft das Projekt Jugendlichen, Selbstvertrauen und Eigeninitiative zu entwickeln.

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