Wie verändert Bildung das Leben eines Kindes? Und was braucht es, damit diese Veränderung nachhaltig wird? Ein Augenschein vor Ort.

In der Woche vom 27. September 2026 reisten langjährige Unterstützer:innen von Right To Play, unsere Athletenbotschafter:innen Michelle Heimberg, Carlos Lima und Marco «Büxi» Büchel, zugleich Mitglied unseres Stiftungsrats, sowie Stiftungsratspräsident Alexander Troller, Geschäftsführerin Annette Syz und Bernadette Werder, Senior Manager Finance & Operations, gemeinsam in die Mara-Region.

Die Tage vor Ort haben uns berührt und nachdenklich gemacht. Der Lebensfreude und Begeisterung der Kinder standen schwierige Realitäten gegenüber: überfüllte Klassenzimmer und tief verwurzelte gesellschaftliche Praktiken wie Kinderheirat und weibliche Genitalverstümmelung, die insbesondere Mädchen in ihren Bildungs- und Zukunftschancen einschränken.

Vor Ort wurde uns einmal mehr bewusst, warum unsere Arbeit so wichtig ist.

Swiss Right To Play Ambassadors Michelle Heimberg, Marco Büchel and Carlos Lima on Fieldvisit in Tanzania in 2026

Lernen mit bis zu 120 Kindern im Klassenzimmer

Während zweier Tage besuchten wir Schulen in Mugumu und Robanda und erlebten, wie spielbasiertes Lernen in der Praxis funktioniert.

In manchen Klassen lernen bis zu 120 Schüler:innen. Dennoch herrscht eine bemerkenswerte Konzentration. Es ist teilweise so ruhig, dass man sprichwörtlich einen Bleistift fallen hören könnte.

Dann kommt Bewegung ins Lernen: Die Kinder arbeiten in Teams, übernehmen Rollen, singen, nutzen rhythmische Übungen und lernen auch draussen. Aus Zuhören wird Mitmachen, aus Auswendiglernen gemeinsames Entdecken.

Dass diese Unterrichtsmethoden Wirkung zeigen, belegen die Ergebnisse des früheren Programms Enhancing Quality and Inclusive Education (EQIE): In Projektschulen stellten beispielsweise 79 % der Lehrpersonen offene Fragen, gegenüber 14 % in Vergleichsschulen. 74 % ermöglichten den Austausch zwischen Kindern, gegenüber 18 % in Vergleichsschulen.

Children in Right To Play Programme In Tanzania

Kambaragi: Mädchen stärken und Jungen einbeziehen

Besonders in Erinnerung blieb uns der Besuch der Kambaragi Primary School.

In den Girls’ Clubs entwickeln Mädchen Selbstvertrauen und wichtige Lebenskompetenzen und werden darin gestärkt, ihre Stimme zu nutzen. Heute nehmen bewusst auch Jungen an den wöchentlichen Stunden teil. Eine wichtige Erkenntnis aus dem ersten Projektjahr war, dass nachhaltige Veränderung nur gelingen kann, wenn Mädchen und Jungen gemeinsam einbezogen werden.

Denn Gleichstellung braucht mehr als Wissen. Sie braucht neue Rollenbilder, Selbstvertrauen und eine Gemeinschaft, die bereit ist, Gewohntes infrage zu stellen.

Children in Right To Play Programm in Tanzania

Spiel verändert. Wirkung bleibt.

Was wir vor Ort erleben konnten, spiegelt sich auch in den Ergebnissen des Save Her Seat Programms, das im März 2026 endete.​​

CHNO Reisebericht Tansania Webseite DE
Quelle: Save Her Seat Project Endline Evaluation.

Auch das Umfeld verändert sich: Die Unterstützung der Eltern für die Bildung ihrer Töchter stieg von 44 % auf 79,2 %. Eltern berichteten unter anderem, die häusliche Arbeitsbelastung ihrer Töchter reduziert zu haben, damit ihnen mehr Zeit zum Lernen bleibt.

Wirkung entsteht nicht nur im Klassenzimmer.

Inklusive Bildung: Kein Kind zurücklassen

Ebenso eindrücklich war der Besuch einer inklusiven Schule, an der rund 90 Kinder mit Beeinträchtigungen unterrichtet und teilweise in reguläre Klassen integriert werden.

Wir erlebten, wie geschulte Lehrpersonen und angepasste Lernangebote Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen Zugang zu Bildung ermöglichen.

Insgesamt erreichte Right To Play in Tansania 2025/26 41'696 Schulkinder, darunter 248 Kinder mit Beeinträchtigungen. Zusätzlich erhielten 5'193 Erwachsene in den Gemeinschaften Wissen und Kompetenzen, um Bildungsbarrieren für Mädchen und Kinder mit Beeinträchtigungen abzubauen.

Children in a Right To Play Programm in Tanzania are learning to write

Veränderung braucht viele Mitspieler:innen

Eine weitere wichtige Erfahrung unserer Schulbesuche war die enge Einbindung der lokalen Behörden: Vertreter:innen aus Bildung, Qualitätssicherung und Sozialwesen werden mit einbezogen. Die Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen und lokalen Behörden ist Teil des Programmansatzes von Right To Play.

Während unserer Besuche beobachteten die Behördenvertreter:innen den Unterricht und die Arbeit der Lehrpersonen. Im Anschluss konnten wir uns aktiv an gemeinsamen Feedbackrunden beteiligten.

Diese Austausche machten deutlich, dass nachhaltige Veränderung entsteht, wenn Kinder, Lehrpersonen, Eltern, Gemeinschaften und staatliche Institutionen gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Was bleibt

Nach diesen Tagen bleiben viele Eindrücke und berührende Begegnungen. Vor allem aber bleibt das Bewusstsein dafür, wie viel Zeit, Mut und gemeinsames Engagement es braucht, damit Veränderung wirklich nachhaltig wird.

Ebenso bleibt die Gewissheit, dass es sich lohnt, dranzubleiben und Kindern die Chance zu geben, ihre Fähigkeiten zu entdecken und ihre Zukunft selbst mitzugestalten.

Ein herzliches Dankeschön an Marco «Büxi» Büchel für die grossartigen Bilder, die die besonderen Begegnungen und Momente dieser Projektreise eindrücklich festhalten.

It all starts with play.